Franchise in Deutschland: Der komplette Weg in 7 Schritten
Alles, was du für deine Franchise-Gründung wissen musst – auf einer Seite. Ohne Fachchinesisch, ohne Verkaufsdruck. Lies die Schritte in Ruhe durch; jeder baut auf dem vorherigen auf.
1Verstehen, was Franchise wirklich ist
Franchise heißt: Ein Unternehmen (der Franchise-Geber) hat ein Geschäftskonzept entwickelt und erprobt – und du (der Franchise-Nehmer) darfst dieses Konzept gegen Gebühren an deinem Standort nutzen. Du bekommst die Marke, das Know-how, die Prozesse und laufende Unterstützung. Dafür zahlst du in der Regel:
- Eintrittsgebühr: einmalig beim Start, oft zwischen 5.000 und 30.000 €
- Laufende Gebühr: meist 2–10 % deines Umsatzes
- Werbegebühr: häufig 1–3 % für das überregionale Marketing
Wichtig: Du bist selbstständiger Unternehmer mit eigenem Risiko – kein Angestellter des Systems. Das Konzept nimmt dir viele Anfängerfehler ab, aber nicht die Verantwortung.
2Ehrlich Kassensturz machen
Bevor du dich in Konzepte verliebst: Rechne. Die entscheidende Zahl ist dein Eigenkapital – also Geld, das dir gehört und das du einsetzen kannst, ohne dass deine Familie in Schwierigkeiten gerät.
Als Faustregel verlangen Banken bei Gründungsfinanzierungen etwa 15–25 % Eigenkapitalanteil. Mit 20.000 € Eigenkapital kannst du also grob eine Gesamtinvestition von 80.000 bis 130.000 € stemmen – mehr nicht. Systeme, deren Gesamtinvestition weit darüber liegt, kannst du guten Gewissens aussortieren. Genau das macht übrigens unser Finder automatisch.
3Systeme finden und vergleichen
Jetzt wird gesucht – aber strukturiert. Vergleiche Systeme immer anhand derselben Kennzahlen:
- Eigenkapitalbedarf und Gesamtinvestition
- Eintrittsgebühr und laufende Gebühren
- Anzahl der bestehenden Partner und Entwicklung der letzten Jahre
- Seit wann das System franchisiert (junge Systeme = höheres Risiko, aber oft bessere Gebietsauswahl)
In unserer Systemübersicht kannst du genau danach filtern. Nimm dir eine Shortlist von 3–5 Systemen vor – nicht mehr. Mit zehn Systemen parallel zu sprechen, führt nur zu Chaos.
4Mit echten Franchise-Nehmern sprechen
Das ist der wichtigste Schritt von allen – und der, den die meisten überspringen. Der Franchise-Geber zeigt dir naturgemäß die Schokoladenseite. Die Wahrheit erfährst du von denen, die schon drin sind.
Bitte den Franchise-Geber um Kontakte zu bestehenden Partnern – und such dir zusätzlich selbst welche aus, die dir nicht vom System vorgeschlagen wurden (Standortliste auf der Website des Systems ansehen, anrufen, freundlich fragen). Gute Fragen:
- Würdest du heute wieder unterschreiben? Warum (nicht)?
- Wie lange hat es gedauert, bis du davon leben konntest?
- Wie gut ist die Unterstützung der Zentrale wirklich – auch wenn es mal schlecht läuft?
- Was hättest du gern vor der Unterschrift gewusst?
5Zahlen prüfen und Businessplan bauen
Seriöse Franchise-Geber sind in Deutschland zur vorvertraglichen Aufklärung verpflichtet: Sie müssen dir vor der Unterschrift die wesentlichen Informationen über das System offenlegen – wirtschaftliche Kennzahlen, Systemstruktur, deine Pflichten. Frag aktiv nach Muster-Rentabilitätsrechnungen bestehender Standorte.
Auf dieser Basis baust du deinen Businessplan – am besten mit Unterstützung: Die IHKs beraten Gründer kostenlos, und für die Finanzierung gibt es öffentliche Förderung, vor allem die Gründerkredite der KfW (läuft über deine Hausbank) und Programme der Landesförderbanken. Auch Bürgschaftsbanken helfen, wenn Sicherheiten fehlen.
6Vertrag vom Profi prüfen lassen
Der Franchise-Vertrag ist das Fundament deiner nächsten 5–10 Jahre. Er regelt Gebühren, Gebietsschutz, Bezugspflichten, Laufzeit, Kündigung und was nach dem Ende passiert. Unterschreibe niemals ohne Prüfung durch einen Anwalt, der auf Franchise-Recht spezialisiert ist. Die 1.500–3.000 € dafür sind die beste Investition deiner Gründung. Achte besonders auf:
- Gebietsschutz: Ist dein Gebiet exklusiv? Auch gegenüber dem Online-Vertrieb des Systems?
- Bezugspflichten: Musst du Waren zwingend von der Zentrale kaufen – und zu welchen Preisen?
- Laufzeit und Verlängerung: Was passiert nach Ablauf mit deinem Standort und deinen Investitionen?
- Wettbewerbsverbot: Was darfst du nach einem Ausstieg (nicht) tun?
7Gründen und eröffnen
Nach der Unterschrift geht es in die Umsetzung: Rechtsform wählen (viele starten als Einzelunternehmen oder GmbH), Gewerbe anmelden, Finanzierung abschließen, Standort einrichten, Schulung durchlaufen, Team aufbauen. Gute Systeme begleiten dich hier eng – genau dafür zahlst du schließlich. Plane vom unterschriebenen Vertrag bis zur Eröffnung je nach Branche 3 bis 9 Monate ein.
Weitere Ratgeber und Werkzeuge
Checkliste: Fragen an den Franchise-Geber
Kosten, Vertrag, Unterstützung: Die wichtigsten Fragen zum Abhaken und Ausdrucken.
Franchise-Rechner: Was kann ich mir leisten?
Eigenkapital eingeben und sehen, welche Investition realistisch ist.
Franchise-Glossar
Die wichtigsten Begriffe von Eintrittsgebühr bis Gebietsschutz einfach erklärt.
Was kostet ein Franchise?
Eigenkapital, Investition und Eintrittsgebühr: Mittelwerte und Spannen nach Branche.
Franchise ohne Eigenkapital
Systeme von 0 bis 10.000 € Eigenkapital – und was „ohne“ in der Praxis heißt.
Franchise nebenberuflich
Systeme für den Start neben dem Job, mit Tipps zu Zeit, Vertrag und Steuern.
Was sind die Vor- und Nachteile von Franchise?
Erprobtes Konzept und starke Marke gegen Gebühren und Regeln – die ehrliche Bilanz mit Entscheidungshilfe.
Ist Franchise als Quereinsteiger möglich?
Warum Branchenerfahrung meist nicht nötig ist, was stattdessen zählt und welche Branchen sich eignen.
Häufige Fragen
Wie viel Eigenkapital brauche ich mindestens?
Es gibt Systeme ab etwa 5.000–10.000 € Eigenkapital (oft Dienstleistung, mobil oder von zuhause). Die meisten Systeme mit Ladenlokal verlangen 20.000–100.000 €. Wichtiger als die Mindestsumme: ein Puffer für die Anlaufphase, in der du noch wenig verdienst – rechne 6–12 Monate private Lebenshaltung dazu.
Kann ich Franchise auch nebenberuflich starten?
Bei manchen Systemen ja – vor allem im Dienstleistungsbereich. Die meisten Konzepte mit Ladenlokal und Personal verlangen aber vollen Einsatz. Filtere in unserer Systemübersicht nach kleineren Investitionen; dort finden sich die nebenberuflich machbaren Konzepte am ehesten.
Was verdient ein Franchise-Nehmer?
Ehrliche Antwort: Das schwankt enorm – je nach System, Standort und dir selbst. Es gibt Franchise-Nehmer mit sechsstelligen Jahresgewinnen und solche, die aufgeben. Deshalb ist Schritt 4 (mit echten Partnern sprechen) und Schritt 5 (Muster-Rentabilität anfordern) so wichtig. Misstraue jedem, der dir konkrete Gewinne „garantiert".
Was ist der Unterschied zwischen Franchise und Lizenz?
Beim Franchise bekommst du ein komplettes Geschäftssystem mit Marke, Handbuch, Schulung und laufender Betreuung – und bist an dessen Regeln gebunden. Eine Lizenz gibt dir meist nur das Recht, eine Marke oder ein Produkt zu nutzen, ohne enges Korsett und ohne viel Unterstützung. Franchise ist mehr Führung, Lizenz ist mehr Freiheit – mit allen Vor- und Nachteilen.
Wie viele Franchise-Systeme gibt es in Deutschland?
Der Deutsche Franchiseverband zählt rund 890 aktive Franchise-Systeme in Deutschland (Stand: Statistik für 2024) mit etwa 148.000 Franchise-Partnern und rund 149 Milliarden Euro Umsatz. Auf Franchise1.de findest du über 580 Systeme mit Kennzahlen im direkten Vergleich – deutsche wie internationale Marken.
Welches Franchise ist das beste für Anfänger?
Das eine „beste" System gibt es nicht – es hängt von deinem Budget, deiner Persönlichkeit und deinem Alltag ab. Für Einsteiger bewähren sich oft Dienstleistungs-Konzepte ohne Ladenlokal (geringe Investition, schneller Start) und Systeme mit intensivem Schulungsprogramm. Unser Franchise-Finder schlägt dir in 2 Minuten Systeme vor, die zu deinen Antworten passen.
Gibt es Franchise ohne Eigenkapital?
Ja, einige – vor allem Dienstleistungs- und Vermittlungskonzepte, bei denen kaum Investitionen anfallen. Ganz ohne Geld geht es aber selten: Auch dort brauchst du Reserven für die Anlaufphase. In der Systemübersicht kannst du nach „Eigenkapital bis 10.000 €" filtern.
Brauche ich Branchenerfahrung für ein Franchise?
Meistens nicht – die meisten Systeme schulen Quereinsteiger vollständig und werben ausdrücklich damit. Wichtiger sind Führungsstärke, Verkaufstalent und kaufmännisches Grundverständnis. Ausführlich: Franchise als Quereinsteiger.
Welche Nachteile hat Franchise?
Die vier wichtigsten: laufende Gebühren (meist 2–10 % vom Umsatz), enge Vorgaben des Systems, Abhängigkeit von den Entscheidungen der Zentrale und langfristige Vertragsbindung über 5–10 Jahre. Ob die Vorteile das für dich aufwiegen, klärt unsere ehrliche Vor- und Nachteile-Bilanz.
Wie lange läuft ein Franchise-Vertrag?
Üblich sind 5 bis 10 Jahre, oft mit Verlängerungsoption. Prüfe vor der Unterschrift besonders: Was passiert am Laufzeitende mit deinem Standort und deinen Investitionen, wie funktioniert eine Kündigung und welches nachvertragliche Wettbewerbsverbot gilt? Lass den Vertrag immer von einem Anwalt für Franchise-Recht prüfen.
Woran erkenne ich ein seriöses Franchise-System?
Gute Zeichen: transparente Kennzahlen vor Vertragsabschluss, Kontakte zu bestehenden Partnern ohne Zögern, DFV-Mitgliedschaft oder -Siegel, realistische statt reißerischer Ertragsversprechen und ein Vertrag, der dir Zeit zur Prüfung lässt. Warnsignale: Zeitdruck („das Gebiet ist bald weg"), Gewinn-„Garantien" und verweigerte Partnerkontakte.
Wer hilft mir neutral weiter?
Kostenlos beraten dich die IHK-Gründungsberatungen und die Beratungsangebote der Bundesländer. Der Deutsche Franchiseverband (DFV) bietet Informationen und kennzeichnet geprüfte Systeme. Und du kannst uns jederzeit schreiben: info@franchise1.de – wir sind ein kleines, unabhängiges Portal und antworten persönlich.
